wiedlingEs fing so harmlos an. Als ich im Alter von etwa 9 Jahren im elterlichen Spielwarengeschäft die Wiking Modelle entdeckte, war ich natürlich gleich begeistert, da ich offenbar das Interesse an der Seefahrt geerbt hatte. So begann ich eine kleine Sammlung aufzubauen und jedes neue Modell wurde sehnlich erwartet. Nicht im Traum hätte ich mir vorstellen können, was noch daraus werden sollte. Wie das Geschäft wurde auch meine Sammlung ein Opfer des Krieges und nur zufällig habe ich 12 Schiffe davon „gerettet".

Nach 1945 hat sich mein Vater erst auf Drängen von alten Kunden, die wieder „bei Wiedling" einkaufen wollten, zu einem Neuanfang entschlossen. So wurde in unserer Wohnung im 1.Stock ein Zimmer zum „Laden" umfunktioniert. Mein Schulfreund Gerald Schweizer, der später die MERCATOR Modelle schuf, hat uns einen einfachen Schaukasten gebaut, der auf das Geschäft aufmerksam machte. Heute steht dieser in meinem Ausstellungsraum als Zeuge der Vergangenheit.

Ende 1949 erfolgte dann der Umzug in die neuen Geschäftsräume in der Münchener Theatinerstraße und nach und nach wagten sich einige Firmen an die Produktion von Schiffsmodellen im Maßstab 1:1250. Aus England kamen die beliebten Eagle Bausätze auf den Markt und ein findiger Kunde, Herr Rudolf Kraus, baute aus den Teilen ganz andere Schiffe, die es vorher noch nicht gegeben hatte, z.B Schiffe der kaiserlichen Marine. Erfreulicher Weise ließ er sich dazu überreden, diese auch für den Verkauf herzustellen, die „Aera Navis" hatte begonnen. Anderen Herstellern, wie TRIDENT, SEXTANT oder HL, konnte ich ebenfalls zu einem guten Start verhelfen.

Viele alte Sammler waren erfreuschaukastent, daß es nun wieder Schiffsmodelle gab und sie Ihre Sammlungen erweitern konnten. Die konstante Ausstellung im Laden brachte auch viele neue Interessenten im In- und Ausland, ein großer Teil der Verkäufe ging schon damals über den Postweg. Im Ladengeschäft arbeitete während seiner Schulzeit auch Herr Schütt, der heute mit seiner Frau, die er gleichfalls über unser Geschäft kennen lernte, die exzellenten Risawoleska Modelle herstellt.

1952 brachte mir ein halbjähriger Aufenthalt in Hamburg, wo ich bei einer Exportfirma volontierte, neue Erkenntnisse auf diesem interessanten Gebiet. Das Beste an Hamburg aber war, daß ich dort meine Frau kennenlernte, die mich seitdem mit all ihrer Kraft unterstützt.

Das Sortiment wurde größer und größer, aber leider nicht der Platz in der Theatinerstraße. Deshalb wurde 1968, speziell für den Versand unter dem Namen meiner Frau Lieselotte, eine eigenständige Firma gegründet. Inzwischen erfolgt der Versand weltweit in mehr als 25 Länder, wobei auch unsere spanische Schwiegertocher mithilft.

Im Lakelleruf der Jahre waren viele neue Serien entstanden, sodaß das Hobby immer interessant blieb. Mit vielen Herstellern und Kunden stehe ich seit Jahrzehnten in freundschaftlichem Kontakt und die Nutzung des Internet macht eine schnelle Information möglich. Natürlich ging auch die Entwicklung der Technik nicht spurlos an unserem Metier vorbei und, wie schon im Vorwort erwähnt, werden manche Urmodelle schon im CAD Verfahren vom Computer erstellt.

Seit 1968 gab es auch meinen Katalog „LOTSE" (eine Auflistung des aktuellen Sortiments), der 2013 durch eine digitale Version abgelöst wurde. Um den Sammlern einen Überblick zu geben, welche Modelle überhaupt jemals erschienen sind, habe ich 1972 zum ersten Mal mein „Schiffsmodell Register" zusammengestellt. Von anfangs wenigen Seiten ist es heute auf fast 800 Seiten angewachsen. Auch daran läßt sich die rasante Entwicklung unseres Hobbies ablesen.

Das Sammeln und der Vertrieb von Schiffsmodellen im Maßstab 1:1250 in nun mehr als 60 Jahren hat mir immer Freude gemacht und es ist schön, daß es so viele Menschen – junge wie alte – gibt, die für ein so stilles Hobby so viel Begeisterung aufbringen.

Peter Wiedling, Grünwald im April 2014